Optimismus ist für mich eine bewusste Haltung.
Es ist kein Verdrängen von negativen Aspekten oder unangenehmen Gefühlen.
Das ist meine bewusste Entscheidung, mein innerer Kompass. Ich werde oft gefragt, warum ich immer so positiv wirke und ob ich überhaupt Schmerzpunkte habe. Diese Fragen haben mich dazu bewegt, meine Denkweise zu reflektieren.
Wir alle schauen unterschiedlich auf die Welt. Jede/r von uns hat eine eigene subjektive Wahrnehmung. Was für andere wie ständige Positivität aussieht, ist für mich viel mehr.
Rosarote Brille oder Realismus
Ich lebe nicht in einer rosa Blase. Ich rede mir nichts schön und glaube nicht daran, dass Probleme einfach verschwinden, wenn man sie ignoriert. Meine Positivität ist kein toxisches Denken oder eine spirituelle Flucht, kein Ignorieren von Schmerz oder Konflikten. Ich sehe, was nicht rund läuft. Ich spüre Spannungen im Leben und in meinem Körper. Aber! Ich achte bewusst darauf, nicht dort stehen zu bleiben.
Die innere Haltung als Ergebnis
Meine innere Haltung ist das Ergebnis von Erfahrung, Reflexion und vielen bewussten Entscheidungen. Ich kenne Druck, Überforderung, Trauer, Angst und schwierige Phasen. Gerade in meiner Selbständigkeit gab es viele anstrengende und herausfordernde Phasen.
Irgendwann habe ich verstanden: Viele äußere Einflüsse kann ich nicht beeinflussen. Ich kann nicht sehr viel im Außen kontrollieren. Aber ich kann beeinflussen, wie ich mich innerlich dazu ausrichte. Welche Gedanken ich denke und welche Gefühle ich intensiver zulasse und welche im Moment weniger dienlich sind.
Optimismus bedeutet für mich, den Fokus auf meinen Handlungsspielraum, auf meine Haltung zu legen, Verantwortung für meinen inneren Zustand zu übernehmen und mich immer wieder aktiv nach vorne auszurichten. Nicht, weil alles leicht ist, sondern weil es mir Kraft gibt.
Haltung ist Bewusstsein
Was mir besonders klar geworden ist: Unsere Grundhaltung ist nicht nur ein Gedanke, sondern auch körperlich. Wie ich stehe, sitze, atme, all das beeinflusst mein Nervensystem und meine Biochemie. Ein aufgerichteter, offener Körper sendet andere Signale als ein dauerhaft angespannter. Stresshormone, Muskelspannung, Atemmuster, die sich je nach Haltung verändern. Für mich beginnt Optimismus oft praktisch im Körper, nicht im Kopf. Erst wenn mein Nervensystem reguliert ist, kann ich bewusst entscheiden, wie ich auf eine Situation blicke.
Mein Schmerz ist da! Aber er ist nicht mein Kern. Ich habe aufgehört, mich über ihn zu definieren. Tiefe bedeutet für mich nicht, den eigenen Schmerz ständig sichtbar zu machen. Mein Kern ist das, was daraus entstanden ist: Ruhe, Klarheit und die Fähigkeit, mich immer wieder auszurichten.
Ich habe beobachtet, dass gelebter Optimismus viele Menschen irritiert. Nicht, weil er falsch ist, sondern weil er eine Alternative zeigt. Wer gelernt hat, problemorientiert zu denken, empfindet eine positive Grundhaltung oft als unrealistisch oder naiv. Dabei stellt sie nur eine leise Frage: Wäre es auch anders möglich? Diese Frage kann unbequem sein und genau deshalb wird Positivität manchmal kritisiert.
Worauf wir die Aufmerksamkeit lenken
Ein Gedanke, der mich begleitet: Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, verstärkt sich. Nicht magisch, sondern ganz konkret im Alltag. Wenn mein Fokus dauerhaft auf Problemen liegt, trainiere ich mein Nervensystem genau darauf. Richte ich meine Aufmerksamkeit bewusst auf Möglichkeiten, Lösungen und Entwicklung, verändert sich meine Wahrnehmung und dadurch mein Handeln. Optimismus ist für mich genau das: Eine bewusste Ausrichtung.
Stimmung und Grundhaltung – kurz und langfristig
Ich unterscheide klar zwischen Stimmung und Grundhaltung. Stimmungen wechseln, sie sind abhängig von Schlaf, Stress, Tagesform. Meine Grundhaltung bleibt. Sie ist mein innerer Kompass. Auch an schweren Tagen erinnert sie mich daran, mich nicht im Negativen zu verlieren.
Diese Haltung gibt mir Energie. Nicht, weil sie Probleme ausblendet, sondern weil sie mich handlungsfähig hält. Sie verkürzt Nachdenkschleifen, schafft Klarheit und wirkt auch nach außen.
Dieser Text ist keine Anleitung zum positiven Denken. Er ist eine Einladung zur Selbstreflexion. Nicht mit der Frage: „Bin ich positiv genug?“ Sondern: „Wem überlasse ich innerlich das Steuer?“ Vielleicht ist Optimismus nicht das Gegenteil von Schmerz. Vielleicht entsteht er, wenn man ihn integriert und sich bewusst für eine Richtung entscheidet.